Die letzten 10 Wochen waren wirklich krass. In China und Korea konnte ich neue Kulturen, Menschen und Gewohnheiten kennenlernen. Ich bin mit meinem AirBnB Host quer durch Seoul gezogen, ehe ich am nächsten Tag bzw. Nacht von eigentlich völlig unbekannten Leuten, nach einem Konzert, zum gemeinsamen Essen eingeladen wurde. Koreaner, Iren, US-Amerikaner, Deutsche, Franzosen, saßen zusammen und hatten einfach Spaß.

Was redet ihr?

In diesen Tagen konnte ich allerdings auch ein wenig nachvollziehen wie es 100.000den Menschen auf dieser Welt gerade geht. Ich will damit nicht sagen, dass ich nur den Hauch einer Ahnung hätte, wie es ist, seine Heimat verlassen zu müssen, weil man sonst entweder getötet wird oder verhungert. Ich will damit auch nicht sagen, dass ich wüsste, wie es ist, tausende Kilometer nur zu Fuß zurück zu legen, oder Stunden lang auf dem offenen Meer zu treiben, ohne zu wissen, ob man es noch lebend an das andere, jedoch auch nicht immer rettende, Ufer schafft.
Was ich allerdings zu einem ganz kleinen Teil nachvollziehen kann, ist das Gefühl, wie es ist, in einem Land zu sein, in dem man weder Sprache noch Schrift bzw. Schriftzeichen lesen oder verstehen kann.
Nicht selten stand ich fragend vor Schildern oder Anzeigetafeln in Bahnhöfen und U-Bahn-Stationen und habe versucht zu entziffern, welchen Zug ich den jetzt nehmen soll. Nicht nur beim Transport, sondern auch beim Essen gab es anfangs große Schwierigkeiten, da ich keine Speisekarte lesen konnte. Ich habe also nur in Restaurants mit Bildern bestellt.

Smartphone hilft!

Was mir das Leben anfangs sehr erleichtert hat, war mein Smartphone. Ohne Google Übersetzer wäre ich aufgeschmissen. Auch ohne WeChat (chinesisches Whatsapp) wäre die Kommunikation um einiges schwerer gewesen. Eigentlich habe ich fast alles mit meinem iPhone gemacht. So konnte ich auch über eine internationale Zugapp Zugtickets für den hiesigen Bahnhof einfach online kaufen und die Sprachbarriere so überwinden. Soviel zum Thema „Wieso brauchen „Die“ denn eigentlich Smartphones“.

Das Wichtigste war allerdings die Tatsache, dass ich extrem offen und herzlich empfangen worden bin. Genauso wie meine „Hardcore-Dudes“ und AirBnB-Hosts aus Seoul oder die Couchsurfing-Hosts aus Shanghai haben mir auch die Verkäuferinnen im Obst- und Gemüsegeschäft, der Koch im Dumplingsladen oder auch der nette Typ im Zug, der sich mit mir, mithilfe seines gebrochenen Englisch und eines Übersetzers, die ganze Zufahrt lang unterhalten hat, eine Attitüde des Willkommen seins und der Offenheit entgegengebracht. Nicht einmal, während meiner gesamten Zeit in China und Korea, hatte ich das Gefühl ich wäre, wegen meiner Herkunft, nicht willkommen.

KEIN MENSCH IST ILLEGAL!

Wie Eingangs schon angesprochen, verlassen in den letzten Monaten 100.000de ihre Heimat, jedoch gewiss nicht aus freien Stücken oder um Urlaub zu machen, sondern um in der Ferne, unter anderem in Deutschland, eine bessere Zukunft zu finden. Hierzulande trifft diese Suche nach einer besseren Zukunft indessen aber oft auf eine Kultur der Abneigung, der Angst und leider auch des Hasses. Menschen wie du und ich werde auf einmal als Bedrohung für das „Heimatland“ angesehen und werden mit Stumpfen Parolen und Gewalt anstatt mit Offenheit und Hilfsbereitschaft in Empfang genommen. Ich weiß wie es ist fremd zu sein, ich weiß aber auch, wie sehr es hilft herzlich aufgenommen zu werden.

Wir alle sollten endlich damit aufhören uns über Aussehen, Sprache, Grenzen oder Länder, die in einem Pass stehen, zu definieren. Heimat sollte für jeden der Ort sein an dem er sich Zuhause und geborgen fühlt. Heimat ist nicht ein Aufdruck im Pass, sondern ein Gefühl der Sicherheit und der Freiheit. Heimat, das ist ein Ort den jeder für sich selbst definieren kann und den man niemanden aufzwingt. Und wenn die Heimat anderer von irgendwelchen Idioten zerstört wird, dann sollte man nicht selbst zum Idioten werden, sondern all die Leute offen und herzlich willkommen heißen. Denn kein Mensch ist illegal!

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28. Oktober 2016

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