Mount Everest Base Camp Trek

Heute geht es um meine Wanderung, oder neudeutsch auch Trek, zum ersten Basecamp des größten Berges der Welt, dem Mount Everest. 12 Tage voller Anstrengung, tollen Ausblicken und atemberaubender Natur.

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Da ich den Annapurna Base Camp Trek mehr oder weniger unfreiwillig vorzeitig beenden musste, stand nur wenige Tage später die nächste Herausforderung an. Das Himalaya Gebirge hatte mich in seinen Ban gezogen und wollte mich nicht mehr loslassen. Gewiss gibt es sehr viele schöne Treks in Nepal, doch eigentlich hatte ich nur eine ganz bestimmt Tour im Sinn. Einen ganz bestimmten Trek, den ich unbedingt bezwingen wollte. Viele Bilder hatte ich gesehen und viele Geschichten gehört, doch jetzt wollte ich es selbst bezwingen. 14 bis 15 Tage schreckten mich nicht ab. Über 5000 Höhenmeter weckten mehr Begeisterung als Zweifel. Ich war bereit den gewaltigen Steinmassen gegenüberzutreten. Ich war bereit für den Mount Everest.

Ok, ok, nicht für den Summit des Mount Everest, jedoch für den Mount Everest Base Camp Trek, welcher mich auf über 5356 Meter führen sollte.

Doch alles von Anfang an.

Tag 1 – Einer der gefährlichsten Flughäfen der Welt

Schon lange ist man sich einig, dass das Fliegen statistisch gesehen eine der sichersten Fortbewegungsarten der Welt ist. Täglich werden tausende Passagiere durch die Lüfte dieser Welt transportiert. Ein wenig mulmig in der Magengegend wird einem jedoch trotzdem, wenn man mit einer Zweipropellermaschine mit 18 Passagieren, einer Stewardess und zwei Piloten einer 527 Meter langen und mit 12 prozentiger Hangneigung ausgestattet Landebahn entgegen fliegt. Glücklicherweise wurde der Runway 2001 frisch asphaltiert, davor war nur eine Schotterpiste vorzufinden.

Da ich diesen Bericht verfasse, könnt ihr getrost davon ausgehen, dass auch ich die Landung in Lukla, so heißt der Ort, welcher den Flughafen umgibt, überlebt habe.

Lukla ist die Nummer 1 Destination der aller meisten Everestresienden. Eine weitere Möglichkeit, um in Reichweite des größten Berges der Welt zu kommen, ist es mit dem Bus oder Jeep nach Phaplu oder Jiri zu fahren, um dann in jeweils 2-3 beziehungsweise 5-6 Tagesmärschen nach Lukla zu gelangen.

Da ich in während den letzten vier Reisemonaten nicht einen Tag krank war, hatte sich mein Immunsystem gedacht, genau in der Nacht vor Trekkingstart mir die Schranken zu weisen. Kopf- und Gliederschmerzen waren die Folge. Mit einem Tag Pause in Lukla, viel Schlaf und Mamas Medizin war ich aber schnell wieder auf den Beinen und wir konnten den Trek mit einem Tag Verspätung, doch immer noch im Zeitfenster, starten.

Verbracht haben wir die 2 Tage in der „Himalaya Lodge“, nahe des Flughafens. Die Zimmer waren günstig, 100 bis 200 nepalesische Rupien für einen privaten 2er Raum, allerdings wurde bei den Preisen für Speis und Trank kräftig zugelegt.

Tag 2 – Die ersten 10 Kilometer

Nachdem ich den ganzen letzten Tag und Nacht im Bett verlebt habe, war ich nun „fit“ genug, um dem Trek die Stirn zu bieten. Die erste Tagestour führte uns von Lukla ins circa 10 Kilometer entfernet Monjo.

Normalerweise geben die meisten Guides und Reisführer Phakding als erste Rast an, allerdings erreichten wir diesen Ort schon nach 2 Stunden und beschlossen, nach kurzer Stärkung mit Zitronentee und Knoblauchsuppe, unsere Wanderung bis nach Monjo fortzusetzen.

Genächtigt wurde in der „Mount Kailash Lodge“ für 100 Rupien die Nacht. Die Lodge ist zu empfehlen, wenngleich sie nichts besonders ist.

Tag 3 – Die Stadt in den Bergen 

Am dritten Tag führte uns der stets bergaufführende Weg von Monjo nach Namche Bazar. Namche ist insofern sehr interessant, da es eine richtige Kleinstadt mitten im Himalaya auf 3400 Metern ist. Es gibt hier alles was das Herz begehrt. Sogar den höchst gelegene Zahnarzt der Welt.

Nach einem langen Tag auf den Füßen ruhten wir uns in der Khumbu Lodge ,für 150 Rupien die Nacht, aus. Diese Unterkunft ist eine der besten in Namche und wurde schon von einigen bekannten Persönlichkeiten besucht. Die Filmcrew des 2015 erschienen Katastrophenfilms „Everest“ soll auch in dieser Lodge Obdach gefunden haben.

Besonders cool ist, dass man für ungefähr 15 bis 20 Dollar ein richtiges Hotelzimmer, mit eigenem Bad uns heißer Dusche, Wifi und einer elektrischen Decke mieten kann. Tipp: Kann man sich auch Teilen und dann Dusche und Stromanschlüsse auf neudeutsch sharen.

Tag 4 – Militärmarsch, dass ich nicht lache!

Tag vier, von Namche nach Tengboche, sollte uns das erste Mal daran erinnern, dass wir nicht in Holland unterwegs sind, sondern im Himalaya, seines Zeichens ein verdammtes Hochgebirge. Nachdem der Weg von abfallenden und ansteigenden Pfaden geprägt wurden, kamen wir nach einer halben Stunde des Bergablaufens nach Phunki Tenga. Was uns allerdings danach erwartete, war monströs.

Die nächsten drei Stunden verbrachten wir mit einem steilen Marsch bergauf. D R E I Stunden B E R G A U F. Jeder Drill Instruktor würde diesen Teil des Treks sofort in sein Programm aufnehmen. Die 13 Kilogramm Gepäck auf dem Rücken, ja ich weiß es war viel zu viel, haben den Weg nicht leichter gemacht.

Schweißgebadet kamen wir erschöpft aber glücklich in Tengboche an. Von fast 14 Kilometern Tagesmarsch erholten wir uns in der „Trekker Lodge“. Diese Hütte hat sich wohl den schönsten Standort im ganzen nepalesischen Himalaya gesichert. Das letzte Haus auf einer langezogenen Erhöhung mit ausgezeichnete Blick. Das Interieur war wirklich nicht das Beste, allerdings konnte sich die Unterkunft mit ausgezeichnetem Essen, warmen Räumen und herzlichem Personal unangefochten den Platz Nummer EINS der Lodges sichern.

Tag 5 – Akklimatisieren? Kann ich!

Akklimatisierung beschriebt Anpassungsprozesse, die im menschlichen Körper ablaufen, wenn sich Umweltfaktoren extrem ändern. Begibt man sich große Höhen, so nimmt der Sauerstoffgehalt in der Luft extrem ab. Der Wert halbiert sich etwa auf Höhe des Basecamps.

Erfolgt die Höhenzunahme zu schnell, kann man leicht der Höhenkrankheit zum Opfer fallen, welche in den schlimmsten Fällen sogar tödlich sein kann. Bei der Höhenkrankheit handelt es sich um eine Unterversorgung des Körpers mit Sauerstoff, da sich, wie oben angesprochen, um ein Vielfaches weniger Sauerstoff in der Luft befindet. Um Problem vorzubeugen baut man Akklimatisierungstage ein, um sich besser an die Höhe zu gewöhnen. Normalerweise sind es zwei oder drei Tag, da wir uns aber schon einige Tage vor dem eigentlich Everest Basecamp Trek in größeren Höhen aufgehalten haben, haben wir die Akklimatisierungstage auf ein Minimum reduziert.

Tengboche ist nicht unbedingt der beste Ort um einen Tag pause zu machen. Im Grunde gibt es nur Lodges und ein Kloster. Die einzige „Bäckerei“ war während unseres Aufenthaltes geschlossen. Namche bietet sich um einiges besser dafür an.

Tag 6 – Free Tibet

Vier Stunden, 10,7 Kilometer und mehrere Liter Schweiß später hatten wir unser Ziel für heute erreicht. Von Tengboche hatten wir es heute bis Dengboche geschafft. Obacht haben wir in der wirklich ersten Lodge in Dengboche, nämlich der Snowlion Lodge, gefunden. Wie auch schon in der letzten Lodge, konnten wir auch hier wieder für umsonst schlafen, nur Essen wurde bezahlt.

Eine besonders nette Begegnung hatten wir mit dem Besitzer der „Mamas Backery“. Dieser erzählte uns, wie er mit 12 aus Tibet geflohen war, da er sich in Nepal ein besseres Leben erhoffte.  Mit wenig Nahrung und keinem Equipment hatte er es, mit einigen Freunden, bis nach Kathmandu geschafft. Trotz sehr wenig Geld und sehr wenig Sprachkenntnissen haben sie sich durchs Leben geschlagen. Heute lebt er mit seiner Familie in Dengboche, als einzige tibetanische Familie im Dorf. In Namche soll es noch sechs weitere tibetanische Familien geben.

Besonders imponiert haben mir seine Aussagen über das Leben und seine Religion, dem Buddhismus. Buddha habe ihn sein ganzes Leben lang unterstützt und ihm die Kraft gegeben, weiterzumachen. Heute ist er sehr dankbar dafür und gibt diese Überzeugungen mit Freude an seine beiden Töchter weiter. Für ihn ist jede Art von Radikalismus, Krieg und Hass das Schlimmste auf der Welt. Viel mehr ist er, vom im Buddhismus üblichen, mittlerem Weg überzeugt. Leben in Friede und Einklang.

Tag 7 – Dem Summit immer näher

Mit großen Schritten schritten wir unserem Ziel immer näher. 12,5 Kilometer legten wir heute, mit einigen Pausen, in circa fünf Stunden zurück, ehe wir die Nacht, in dem am Anfang von Labouche gelegenen EBC Guesthouse, verbrachten. Etwas enttäuscht war ich von dieser Unterkunft, da doch gut kalt war, der Ofen allerdings erst spät und nur ein Mal befeuert wurde. Das Essen war okay und auch die Zimmer, wieder kostenlos, haben gepasst.

Die Aufregung stieg mit jeder Stunde, da wir morgen endlich unser Ziel erreichen würde.

Tag 8 – Da ist das Ding

Der achte und letzte Tag, an dem es nach oben ging, begann früh. Die circa zwei Stunden nach Gorak Shep, dem letzten Ort vor Mount Everest Base Camp, waren schnell gemeistert und wir alle waren sehr gespannt. Doch bevor es zum Endziel ging ,stärkten wir uns noch einmal im „Snow Land Hotel“.

Und dann war es soweit, nach zwei bis zweieinhalb Stunden Fußmarsch waren wir am Ziel unseres Treks. Ganz unscheinheilig war das Base Camp mit einer Flagge, ein paar Gebetsflaggen und Steinen markiert, trotzdem war es ein tolles Gefühl endlich angekommen zu sein. All die Strapazen waren vergessen und wir schwebten in einer Wolke aus Erleichterung, Freude und Euphorie.

Da wir es genau an Weihnachten zum Base Camp geschafft hatten, belohnte und beschenkte ich mich am Abend selbst mit einem Yak Steak. Es war köstlich.

Tag 9 – Heim geht’s

Nach acht Tagen gen Himmel waren wir alle froh, dass es nun nach unten ging. Allerdings ist es nicht ein konstant abfallender Weg den man beschreitet, sondern ein viel mehr hügeliger Weg mit einigen Steilen Hängen, die es zu bewältigen galt.

19,5 Kilometer waren unsere erste Etappe nach unten. Sechs Stunden waren wir auf den Beinen und schliefen gut und lange in Pengboche, im „OM KAILASH Hotel“.

Tag 10 – Zurück in die Zivilisation

Auch an diesem Tag waren wir glücklich, dass wir nach 16 Kilometern und fünfeinhalb Stunden, in der „Khumbu Lodge“, ins Bett Fallen konnten. Zurück in Namche genossen wir den Hauch von Zivilisation und stießen in einem „Irish Pub“, womöglich dem höchsten der Welt, mit englischem Fußball, auf unseren erfolgreichen Trek an. Der letzte Tag laufen stand bevor und insgeheim waren alle froh die Wanderschuhe danach erstmal an den berühmten Nagel zu hängen.

Tag 11 – Zurück in Lukla

Elf Tage hatte es gedauert, doch jetzt waren wir wieder an unserm Ausgangspunkt, Lukla, angekommen. Die letzte Nacht in den Bergen verbrachten wir in der „Khumbu Resort“, durchaus zu empfehlen.

Tag 12 – Einer der gefährlichsten Flughäfen der Welt Teil 2

Unsere ursprüngliche Idee war es, zwei Tage mehr zu wandern, um dann mit einem Jeep zurück nach Kathmandu zu fahren. Allerdings waren wir uns am letzten Abend einig geworden, dass Fliegen doch die angenehmere Alternative ist, die wir alle bevorzugen. Nach einigem „Hin und Her“ haben wir es noch in einen der begehrten Flieger geschafft und hebten, von der 12 prozentig abfallenden und 527 Meter langen Landebahn, ab. Es ist schon ein komische Gefühl im Flugzeug zu sitzen, nach unten zu beschleunigen und dann nach oben abzuheben. Doch die Piloten meisterten es ohne Probleme.

Nach 30 minütigen Flug landeten wir wohlbehalten in Kathmandu. Das Mount Everest Base Camp war bezwungen.

Allgemeines

Anfangs habe ich, auch wegen des Geldes, gezweifelt, ob ich es wirklich wagen sollte. Im Nachhinein bin ich mehr als froh, dass ich es doch gemacht habe. Bedingungslos würde ich den Mount Everest Base Camp Trek jedem weiterempfehlen. Die Natur ist unglaublich schön und das Erlebnis ist unbezahlbar.

Was ich für das Trekken alles in meinen Rucksack gepackt habe, was ich gebraucht habe und was nicht, wie viel Geld ich ausgegeben habe und wo ihr sparen könnte, erfahrt ihr in meinem separaten Beitrag „Trekken im Himalaya, die harten Fakten“.

Ich hoffe der Beitrag hat euch gefallen, während des Schreibens konnte ich mich an viele schöne Erlebnisse erinnern. Hoffentlich konnte ich euch inspirieren sowie motivieren es auch durchzuziehen. Es lohnt sich so unglaublich sehr.

Yoga Gletscher – Everest Trek
Yaks Brücke – Everest Trek
Wolke – Everest Trek
Way to Everest – Everest Trek
Wasser – Everest Trek
Stupa mit Berg – Everest Trek
Prayerflagg – Everest Trek
Namche – Everest Trek
Prayerflagg Cinematic – Everest Trek
Prayerflaggg Aussicht – Everest Trek
Puppy – Everest Trek
Squad – Everest Trek
Moutn Everest Sunset – Everest Trek
Mount Everest Sunset Aussicht – Everest Trek
Mount Everest Base Camp – Everest Trek
Mond – Everest Trek
Joe Yoga – Everest Trek
Berg – Everest Trek
EBC Trek Beitragsbild
Eisfluss – Everest Trek
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Hi, ich bin Jonas, 19 Jahre alt und im Moment offiziell Reisender. Direkt nach dem Gymnasium an die Uni und weiter lernen bzw. studieren war einfach nicht mein Ding. Ich wollte raus und die große, weite Welt sehen. Schnell war klar, Asien soll es werden. Vielfältig, anders und auch ein bisschen billiger als der Rest des blauen Planeten. Mit meinem neuen Zuhause auf meinen Schulter, brach ich Anfang August ins Land der Mitte auf. Viele neue Eindrücke, Erlebnisse und Erfahrungen durfte ich sammeln, aber all das und noch viel mehr könnt ihr auf meinem Baby, meinem Reiseblog, travelriots.com, nachlesen. Viel Spaß!
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