Tickets, Züge und Sitzplätze – Zugfahren in China

Bekannt geworden ist China als das Land der Mitte, allerdings ist es sehr gut denkbar, dass China bald als Land des Zuges in die Geschichtsbücher eingeht, zumindest vielleicht.

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Zugfahren in China - How to
Zugfahren in China - Der ultimative Guide

Die großen Städte in China, und davon gibt es sehr, sehr viele, verfügen alle über sehr gute Zuganbindungen, welche, wenn man es richtig anstellt, auch sehr leicht zu nutzen sind. Damit auch ihr, während eures nächsten Chinaaufenthaltes, den chinesischen öffentlichen Fernverkehr zu eurem Gunsten einsetzen könnt, müsst ihr einfach nur meinem ultimativen Guide über das Zugfahren in China befolgen.

Zugtypen

Prinzipiell gibt es in China 10 unterschiedliche Zugtypen. Wirklich relevant sind allerdings nur 6 bzw. 7 Arten, weshalb es bei den anderen 3 nur bei der Nennung bleibt.

Zugtypen Gattung
G (Gaotie) Hochgeschwindigkeitszug
D (Dongche) Hochgeschwindigkeitszug
C (Chengji) Hochgeschwindigkeitszug
Z (Zhida) Direkter Expresszug
T (Tekuai) Expresszug
K (Kuaisu) Schnellzug
Pukuai Eilzug
Puke Nahverkehrszug
Linshi Zusätzlicher Zug (nur bei Bedarf
Linshiluyou Zusätzlicher Touristen Zug (nur bei Bedarf

High-Speed-Züge

Der Zug eurer Wahl, falls ihr weite Strecken zurücklegen wollt, sollte immer ein CHR-Hochgeschwindigkeitszug sein. Darunter fallen G, C und D Züge, die sich eigentlich nur durch Anzahl der Stopps und Höchstgeschwindigkeit unterscheiden. G-Züge werden fast ausschließlich als Langstreckenzüge eingesetzt. Unterscheidungsmerkmal bei D (Dongche) und C (Chengji) ist vor allem die Geschwindigkeit von jeweils 250 km/h bzw. 350 km/h. Meine Erfahrung zeigt, dass es meistens auf G Züge hinausläuft. Die Ausstattung der Züge variiert wenig, jedoch kommt es immer auf das Baujahr an. 2. Und 1. Klasse haben für deutsche Verhältnisse nur eine geringere Preisdifferenz. Als 1.Klasse-Plus bekommt man einen größeren Sitz (anstatt 5 Sitzen in einer Reihe sind es hier nur 4), mehr Beinfreiheit und manchmal einen kleinen kostenlosen Snack. Des Weiteren steht noch eine wesentlich teurere Business-Class bereit, die sich allerdings im preislichen Spielraum eines Fluges befindet. Hier lässt sich der Sitz in ein Bett verwandeln, außerdem hat man um einiges mehr Platz. Aufgrund des hohen Preises habe ich die Business-Class, sowie ihren Service, nicht testen können. 2. Klasse ist aber eigentlich mehr als ausreichend.
Jedem Zug ist im Normalfall ein Restaurantswaggon angehängt, der sich aber, im Verhältnis, mit deutschen ICE-Preisen rühmt. Heißes Wasser gibt es kostenlos an vielen Stellen im Zug, genauso wie große und meist saubere Toiletten.

So sehen sie aus, die chinesischen Hochgeschwindigkeitszüge.

Z, T und K Züge

Der Z oder auch Zhida Zug ist ein Nacht-Fernzug oder ein direkter Express-Zug, der gar nicht, oder nur an sehr wenigen Haltestellen, hält. T (Tekuai) und K (Kuaisu) sind Express- bzw. Schnellzüge, die sich minimal in der Geschwindigkeit (140 km/h und 120 km/h)  und in der Anzahl der Stopps unterscheiden. Im Regelfall sind diese Zugmodelle älter, dennoch ausreichend und verfügen meist über verschiedene Sitz- oder Schlafmöglichkeiten, die sich wieder preislich unterschieden.

Soft-Sleeper

Die teuerste und komfortabelste Sitzmöglichkeit ist der sogenannte Soft-Sleeper. Wie der name schon vermuten lässt, handelt sich es hierbei um ein Bett in einem Schlafwaggon, in einem abgeschlossenen Abteil mit Stromanschlüssen, sowie einem kleinen Tisch in der Mitte. In jedem Abteil befinden sich 4 Schlafplätze. Auch als groß gewachsener Mensch, zum Vergleich, ich bin ca. 1.90 Meter, hat man ausreichend Platz zum Schlafen. Eine Toilette (asiatisch und europäisch), sowie einen Raum mit Waschbecken gibt es in jedem Waggon. Toilettenpapier ist allerdings eher Mangelware, seid also vorbereitet.

Luxus-Soft-Sleeper

Hierbei handelt es sich um eine Luxusvariante des Soft-Sleepers. Es befinden sich nur 2 Kojen in einem Abteil. Zudem sind europäische Toiletten, Duschen, Fernseher und andere Einrichtungsgegenstände vorhanden. Preislich macht sich das aber deutlich bemerkbar.

Hard-Sleeper

Die nächste Abstufung bildet der Hard-Sleeper. Keine Angst, auch hier hat man eine Matratze sowie Kopfkissen und Decke, allerdings ist das Abteil offen, weshalb es doch lauter werden kann. Außerdem teilt man es sich mit 5 anderen Mitfahrern. Insgesamt haben also 6 Betten, drei auf jeder Seite, in einem Abteil Platz. Folglich ist der Platz und der Komfort etwas minimiert. Die Toilettensituation ist ähnlich wie im Soft-Sleeper, jedoch gibt es hier, laut einigen Websites, nur asiatische Toiletten. Da ich nur einmal mit dem Nachzug gefahren bin und dabei einen Soft-Sleeper gewählt habe, kann ich leider keine persönliche Erfahrung teilen. Allerdings habe ich von einigen Reisenden gehört, dass es durchaus machbar ist, allerdings bei Weitem nicht so komfortabel. Mit 1.80 Meter sind die Betten, für meine Größenordnung, auch etwas klein geraten. Preislich kann man hier allerdings sparen.

Schnappschuss aus dem G-Zug von Xi’an nach Chengdu.

Gepolsterter  Sitz

Die beste Sitzmöglichkeit ist ein sog. gepolsterter Sitz. Es befinden sich jeweils 4 größere Sitze in einer Reihen, außerdem gibt es keine Überbelegung. Dieses Modell ist aber nur in wenigen Zügen vertreten.

Ungepolsterter Sitz

Hierbei handelt es sich um die billigste Sitzklasse, allerdings muss man keinen Plastikstuhl erwarten, wenngleich die Sitze etwas unbequemer sind. Normalerweise befinden sich 5 kleinere Sitze in einer Reihe, außerdem stehen hier alle Mitfahrer in den Gängen, die nur einen Stehplatz erworben haben. Es kann also ziemlich laut, voll und eng werden.

Stehplatz

Wie der Name schon sagt wird man die ganze Fahrt stehend verbringen. Der Aufenthaltsraum für Stehplätze befindet sich überall in den Gängen zwischen den ungepolsterten Sitzen, sowie zwischen den Waggons.

So kann es aussehen, wenn es keinen freien Sitzplatz mehr gibt.

Bei den letzten 3 genannten Möglichkeiten befinden sich auch immer sanitäre Anlagen im Zug, allerdings nur asiatische, nicht immer saubere, Toiletten, natürlich ohne Toilettenpapier.

Pukuai und Puke

Die letzten beiden Zugtypen habe ich noch nicht genutzt. Es handelt sich hierbei um einen Eilzug (Pukuai, 120km/h) und einem, auf gut Deutsch, „Bummelzug“, der an jeder Station hält. Ich erachte diese Züge nur für geeignet, wenn man einen Ausflug ins Umland plant, aber keine größere Distanz überbrücken will.

Fazit Zugtypen

Generell kann man alle Züge in China problemlos nutzen, man sollte allerdings keine Berührungsängste haben. Ich würde für große Distanzen immer die High-Speed Züge empfehlen, da diese, im Vergleich zu Deutschland, doch recht billig sind und um einiges komfortabler als die langsameren, älteren Züge. Reist man nur auf Low-Low-Budget empfehlen sich die älteren Modelle, wenngleich man hier eine längere Reisezeit in Anspruch nehmen muss.

Blick in einen chinesischen Nachtzug.

Ticketkauf

Eigentlich wurde in China ein gut funktionierendes System entwickelt, mit welchem chinesischen Staatsbürger Zugtickets am Automaten direkt auf ihrem Ausweis speichern können. Chinesische Staatsbürger deshalb, weil es NUR mit einer chinesischen ID-Card funktioniert. Als Ausländer muss man mit Reisepass und Geld an die, an den Bahnhöfen vorhandenen, Ticketschalter. Normalerweise ist alles gut ausgeschildert, manchmal allerdings etwas verwirrend, weshalb man immer etwas mehr Zeit am Bahnhof einplanen sollte. Die Kommunikation klappt am besten, wenn ihr eure Zieldestination auf Chinesisch auf einen Zettel schreiben lasst und diesen, der meist weiblichen Ticketverkäuferin, vorlegt. Normalerweise zahlt man am Schalter immer Bar. Wie es mit Kreditkartenzahlungen aussieht habe ich noch nicht getestet.

Will man im Voraus ein Ticket reservieren bzw. kaufen gibt es diverse Websites im Internet. Außerdem gibt es einige Apps mit denen man bequem mit Kreditkarte zahlen kann. Ich habe bisher immer Ctrip benutzt, weshalb ich genauer auf diesen Vorgang eingehen werde. Vor kurzer Zeit wurden allerdings die Gebühren erhöht, was der Grund dafür ist, dass ich ab jetzt immer am Schalter meine Tickets lösen werde. Bei einer Fahrt für 4 Euro beträgt die Gebühre zum Beispiel 3 Euro. Das Ticket kostet also 7 anstatt 4 Euro.
Hat man schließlich über Ctrip sein Ticket erworben, dann erhält man eine Bestätigung per Mail und in der App. Diese Bestätigung legt man dann einfach am Ticketschalter, zusammen mit seinem Reisepass, vor und schon bekommt man sein Ticket. Eine ausführliche Zusammenstellung meiner besten Reiseapps könnt ihr übrigens auf meinem Blog finden

Da die Tickets nur auf Chinesisch sind, folgt hier eine kleine Grafik, die zur Erklärung dienen soll.

Wie liest man ein chinesisches Zugticket

Zusammenfassend kann man also sagen, der Ticketkauf erfolgt entweder direkt am Bahnhofsschalter oder über eine Website bzw. App. Vergessen darf man hierbei jedoch nicht, dass man auch dann das Ticket am Schalter abholen muss. Wichtig: Reisepass nicht vergessen und lieber zu früh als zu spät am Bahnhof sein.

Die Zeit rennt!

Auch darf man das Zugfahren in China nicht mit Deutschland vergleichen. Bahnhöfe haben oft die Größe eines kleinen Flughafens und nicht selten weniger als 25 oder 30 Gleise. Auch ist es so, dass wenn man einmal sein Ticket hat, man bis ca. 10 Minuten vor Abfahrt in einer riesigen Wartehalle, mit allerlei McDonalds, KFC und Co, verweilt, bis der seinige Zug freigegeben wird. Dann nähert man sich ob oben, vorbei an der eigentlichen Ticketkontrolle, seinem Zug. Es ist schlichtweg unmöglich in einen falschen Zug zu steigen, allerdings möchte ich hier nochmals betonen, verpassen jedoch nicht.

Sitzt man im Zug, dann hat man es eigentlich geschafft. Durchsagen sind sowohl auf Chinesisch, als auch auf Englisch. Beim Verlassen des Zielbahnhofs wird wieder das Ticket benötigt, also nicht verlieren.

Manchmal kann es ganz schön voll werden. Rechtzeitig kommen lohnt sich!

Besonderheiten

Gerade während des chinesischen Neujahrs sind die Züge, genauso wie alles andere in China, ausgebucht. Es lohnt sich also 2 oder 3 Wochen im Voraus, oder noch weiter, die Tickets zu buchen.
Auch ist es so, dass einige Fahrgäste nur Stehplätze gebucht haben, zum einen des Preises wegen, zum anderen weil keine anderen Plätz mehr zur Verfügung standen. Einige spekulieren dann auf einen freien Platz und setzten sich irgendwo in den Zug. Sollte also eine fremde Person auf eurem reservierte und bezahlten Platz sitzen, dann scheut euch nicht sie darauf anzusprechen. Normalerweise wissen sie selbst, dass sie falsch sitzen und gehen. Im Notfall kann man immer noch das Zugpersonal zur Hilfe holen.

Auf einen Blick

Zusammengefasst, was ihr zum Zugfahren in China braucht, sowie was ihr beachten solltet.

  1. Denke an Reisepass und Geld
  2. Sei rechtzeitig am Bahnhof. Lieber zu früh als zu spät.
  3. Buche im Voraus.
  4. G, C und D = Schnell, Z, T und K = Langsam

Zugfahren in China ist, im Gegensatz zu Deutschland, mehr Vergnügen als Verhängnis, wenn man es richtig anstellt. Befolgt ihr diesen Guide, dann kann eigentlich auch nichts schiefgehen. In diesem Sinne, gute Fahrt!

Da ich leider nicht von jedem Zugtyp alle Bilder habe, verlinke ich noch eine englische, die sehr gute graphische Darstellungen besitzen.

TravelGuideChina

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Hi, ich bin Jonas, 19 Jahre alt und im Moment offiziell Reisender. Direkt nach dem Gymnasium an die Uni und weiter lernen bzw. studieren war einfach nicht mein Ding. Ich wollte raus und die große, weite Welt sehen. Schnell war klar, Asien soll es werden. Vielfältig, anders und auch ein bisschen billiger als der Rest des blauen Planeten. Mit meinem neuen Zuhause auf meinen Schulter, brach ich Anfang August ins Land der Mitte auf. Viele neue Eindrücke, Erlebnisse und Erfahrungen durfte ich sammeln, aber all das und noch viel mehr könnt ihr auf meinem Baby, meinem Reiseblog, travelriots.com, nachlesen. Viel Spaß!
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